Seepferdchen-Zucht
Aus Hobby wurde Leidenschaft - Meine Seepferdchen Zucht
Von Silvia Gerung.
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Gerne erinnere ich mich an meine ersten Erlebnisse bezüglich Aquaristik.
Vor gut 16 Jahren begann alles mit einem kleinen Süßwasseraquarium. Bereits damals liebäugelte ich mit Meerwasseraquaristik, doch als Einsteiger mit keinerlei Vorkenntnissen und somit null Ahnung traute ich mich nicht so recht.
Nach gut 5 Jahren war jedoch der Zeitpunkt gekommen, für mich war klar - entweder jetzt oder nie. Kurzerhand löste ich mein Süßwasseraquarium auf, gab all meine Tierchen an gute Plätze ab und entschied mich auf Salzwasser umzustellen. Ich wollte klein beginnen und startete mit meinen bereits vorhandenen Becken. Wie freute ich mich an meinem ersten Riffaufbau, der, wie ich bald danach wusste, nicht viel mit einem Riff zu tun hatte. Schnell war mir bewusst dass ich, trotz intensiver Vorbereitung mittels Literatur, damaligem Internet und vorhandener Vorkenntnisse, so nicht recht glücklich werde.
Sicher war auch, dass der Weg, auf eigene Faust zu experimentieren, der falsche ist, denn Verlierer wären dabei nur die Tiere. Kontakt zu erfahrenen Meerwasseraquarianern wäre nützlich. Ich suchte und wurde fündig bei der GfMU (Gesellschaft für Meerwasseraquaristik) im 120 km entfernten Ulm. Hier traf ich Gleichgesinnte und erfuhr im Meinungsaustausch praktische Hilfestellung. So entstanden persönliche, für mich wertvolle Freundschaften.
Vor gut 6 Jahren zog es mich dann endgültig in den Bann der Seepferdchen. Auslöser war eine Vereinskollegin, sie schwärmte von diesen wundervollen Tieren, deren majestätischen Bewegungen und den faszinierenden, rollenden Augen. Ab diesem Moment war klar, ich möchte mehr über diese Tiere erfahren und es dauerte nicht lange, liefen die Vorbereitungen für ein zusätzliches, artgerechtes Becken für Seepferdchen.
Aus heutiger Sicht betrachtet hat sich die letzten Jahre nicht viel geändert, nur die Anzahl der Zuchtbecken ist gestiegen und die damit verbundene Arbeit. Mit viel Freude am Hobby, erforderlicher Disziplin und nötigem Ehrgeiz entstand so mein kleines "Seepferdchengestüt".
Nun kurz etwas zu meinen Nachzuchten.
Ich pflege das aus der Karibik stammende "langschnäuzige Seepferdchen" (Hippocampus reidi). Bild rechts.
Fühlen sich die Seepferdchen im artgerecht eingerichteten Becken wohl, dann gehen sie bald selbstständig auf Partnersuche. Alle Bemühungen und Werbung eines Männchens um ein Weibchen sind jedoch vergebens, wenn das angepeilte Weibchen nicht will.
Wie im echten Leben :-).
Hat sich dann ein Paar gefunden darf man mit relativ regelmäßigen Paarungsintervallen rechnen.
Seepferdchen sind insofern einzigartig als sie monogam leben. Das Männchen übernimmt das Austragen der Embryonen. Sicheres Erkennungszeichen eines Männchens ist die deutlich sichtbare Bauchtasche.
Die Paarung erfolgt regelmäßig, sobald die Babys des vorherigen Wurfes die Bauchtasche verlassen haben und freischwimmen. Dann signalisiert das Männchen dem Weibchen die erneute Bereitschaft zur Paarung. Bald erfolgt eine Übergabe neuer Eier vom Weibchen die dann vom Männchen in der Bauchtasche befruchtet werden.
Während der Zeit, in der diese Eier in der Bauchtasche des Männchens jetzt zu Jungtieren heranreifen, produziert das Weibchen bereits wieder Eier für die nächste Kopulation.
Nach einer Tragezeit von ca. zwei Wochen entlässt das Männchen die Jungtiere und bald darauf wiederholt sich die, vorgehend beschriebene, nächste Übergabe Zeremonie. Pro Wurf können mehrere hundert Seepferdchen-Babys zur Welt kommen, jedoch: kein Wurf ist immer so stabil wie der vorherige. Von heute auf morgen können Verluste eintreten, wobei hier viele Faktoren reinspielen.
Schwankungen der Wasserwerte oder Temperatur, Futter, Reinheit usw. Seepferdchen mit ihrem dünnen Maul sind ausgesprochene Nahrungsspezialisten. Zur Fütterung der Jungtiere hat sich bei mir bewährt: die ersten 8-10 Wochen Artemien-Nauplien, anschließend erfolgt die Umgewöhnung an Frostfutter. Hier bevorzuge ich Mysis und teilweise Krill.
Die Vermehrungsstrategie mit hoher Population und kurzfristiger wiederholter Paarung dient in der freien Natur dazu den Artbestand gegen die vielen Freßfeinde zu sichern. Leider zählt darüber hinaus jedoch der Mensch mit seinem ungehemmten Geschäftssinn inzwischen zu den größten Feinden der Seepferdchen. In Asien z.B. dienen getrocknete oder eingelegte Seepferdchen seit Jahrhunderten als traditionelle Arznei und als probates Potenzmittel. Dieser Aberglauben kostete nach seriösen Schätzungen (*) im Jahr 2000 etwa 24,5 Millionen (!) dieser friedlichen Wesen das Leben. Daher stehen die Seepferdchen unter strengem Artenschutz und unterliegen seit Mai 2004 dem Washingtoner Artenschutzabkommen.
(* Quelle: bethge.freepage.de/seepferdchen.htm; "Die vermarkteten Seepferdchen")
Als Züchterin bin ich bemüht meinen Teil zur Arterhaltung dieser einmalig wundervollen und possierlichen Geschöpfe beizutragen und somit die Entnahmen von Wildfängen zu reduzieren.
Zur Aquarienausstattung wäre anzumerken, dass ich in meiner Wohnung die Zucht in 120 ltr. Becken der Serie LIDO (Juwel), betreibe. Mit eingebautem Filter und integriertem Abschäumer. (Abschäumer als Seewasserzubehör, Bestell-Bezeichnung bei JUWEL: Skimmer). Das ist m.E. ein zuverlässiges und sicheres Konzept, es gab nie Probleme mit der Dichtheit, tröpfelnden Anschlüssen o.ä., was speziell bei auslaufendem Salzwasser in einer Mietwohnung heikel werden könnte.
Silvia Gerung
Silvia Gerung ist Mitglied in der GfMU
„Gesellschaft für Meerwasseraquaristik Ulm“
Rechts: nachrüstbarer Skimmer




